Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Das Scheffold-Gymnasium hat eine neue Schulpatin

Schule mit Courage – die Autorin Dilek Güngör liest vor Schülerinnen und Schülern

Courage-Schulen sind Schulen, die im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ aktiv sind. Ein Projekt für alle Schulmitglieder, das dafür sensibilisieren soll, aktiv gegen Diskriminierung, Mobbing und Gewalt einzutreten. „Warum dieser Schwerpunkt? Ist das nicht eine Selbstverständlichkeit?“, fragt Schulleiter Bernd Gockel die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 8-10 am Mittwochmorgen im Musiksaal des Scheffold-Gymnasiums. Man müsse genauer hinschauen, so Gockel, über spannende Fragen gemeinsam nachdenken: Wo beginnt Rassismus? Wo und wie beginnen Vorurteile?

Wie ist das, zu Hause Türkisch, Russisch oder Hindi zu sprechen und in der Schule Schwäbisch?

Wie es sich anfühlt, in zwei Kulturen aufzuwachsen, davon kann Dilek Güngör aus eigener Erfahrung berichten. Die 1972 in Straßdorf geborene Autorin türkischer Herkunft lebt mittlerweile in Berlin und ist als Kolumnistin für die Berliner Zeitung und Schriftstellerin erfolgreich. Die Patenschaft für das Projekt „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ hat sie gerne übernommen. „Ich möchte das Projekt mit Leben füllen“, erklärt sie ihre Motivation, „mit dem, was ich am besten kann: Schreiben.“ Daher findet im Oktober für alle interessierte Schülerinnen und Schüler ein Schreibworkshop am Scheffold-Gymnasium mit Dilek Güngör statt.

Zur Auftaktveranstaltung will Güngör aber vor allem mit ihren „Patenkindern“ ins Gespräch kommen. Amanpret Birdi und Annika Assmann, beide Schülerinnen der Jahrgangstufe 2, moderieren die Lesung und anschließende Fragerunde. Begriffe wie „Identität“ und „Heimat“ beschäftigten die Schülerinnen und Schüler, was vielleicht auch an den Texten liegt, aus denen Güngör zuvor gelesen hat. Ihr Roman „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“ beispielsweise erzählt von einer großen Familiengeschichte. Die in Deutschland aufgewachsene Zeynep kehrt in das türkische Dorf ihrer Eltern zurück, weil ihre

Großmutter im Sterben liegt. Dabei kommt sie nicht nur einem Familiengeheimnis auf die Spur, sondern lernt auch die Lebensklugheit ihrer Großmutter schätzen. Gewisse autobiographische Bezüge streitet die Autorin während der Fragerunde nicht ab, auf die Frage, was für sie Heimat bedeute, antwortet sie: „Heimat ist wenig ortsgebunden, vielmehr ein Gefühl bei den Menschen zu sein, bei denen ich mich wohlfühle.“ Und gibt die Frage zurück: „Familie, Sicherheit, sich nicht verstellen müssen“, lauten die Gedanken aus dem Schülerpublikum.

 

Erfrischend ehrlich sind die Antworten der neuen Schulpatin. So erfahren die Scheffoldianer nicht nur, dass Güngör „lange mit ihrem Namen gehadert“ habe, sondern auch, wieviel Glück sie in ihrem Leben bisher gehabt hat. „Ich habe immer Leute gehabt, die gesagt haben, Mensch, das kannst du doch, probiere das aus.“ Als sich ihr die Gelegenheit bot, ein Opernlibretto zu schreiben, habe sie erst gar nicht gewusst, was ein Libretto ist – der Erfolg stellte sich mit der Oper „Türkisch für Liebhaber“ trotzdem ein. Ihr Wissen und ihre Erfahrung teilt sie gerne und gibt den Schülerinnen und Schülern zum Abschluss einen Ratschlag: „Macht Dinge, von denen ihr denkt, dass ihr es nicht könnt. Meistens wird es gut.“