Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Zum Geburtstag ein Konzert (Aktion 33 von 50)

Die Unterstufe mit ihrer Musical-Aufführung von “Sophie!”

Im Jubiläumsjahr hat das Scheffold-Gymnasium sein erstes musikalisches Geburtstagsgeschenk von seinen Schülerinnen und Schülern bekommen: Die Unterstufe musizierte. Und tat das so hinreißend, dass es an diesem Abend viele Gänsehautmomente gab.

Fröhlich und beschwingt eröffneten das Unterstufenorchester und die Unterstufen Big-Band unter der Leitung von Diana Magg und Manuela Essig den Abend. Die rund 30 jungen Musikerinnen und Musiker hatten gemeinsam mit ihren Lehrerinnen ein buntes Programm mit bekannten Melodien zusammengestellt. Mit „The Hey Song“ von Gary Glitter und Mike Leander brachten sie gekonnt ihre Klangvielfalt zum Ausdruck, demonstrierten im „Kanon in D-Dur“ von Johann Pachelbel, dass sie auch leisere Töne können oder trumpften im „Bigtime Blues-Potpourri“ von Sarah Watts rhythmisch versiert und mit großer Spielfreude auf.

Der Unterstufenchor unter der Leitung von Winfried Butz hatte ein doppeltes Geburtstagsgeschenk im Gepäck: Das Singspiel „Sophie!“ von Bernhard Lienhardt und Michael Sommer. Das Stück, eine Auftragsarbeit der Landesakademie Ochsenhausen zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl, thematisiert die Begegnung der 14-järigen Lea, die im Jahr 2022 lebt, mit der jungen Sophie Scholl 1935 in Ulm.

Das Spiel mit den verschiedenen Zeitebenen gelingt den jungen Sängerinnen und Sängern mühelos. Das liegt zum einen an den hervorragend agierenden Solistinnen und Solisten, zum anderen an einem Chor, der sich mit erstaunlicher Leichtigkeit durch die verschiedenen Szenen des Stückes singt. Begleitet wird er vom Instrumentalensemble der Musikprofilklasse Acht. „Sophie!“ hat seine musikalischen Raffinessen, aber die jungen Streicher, Bläser und Klavierspieler musizieren mit einer Präzision und Hingabe, die ein beeindruckendes Klanggerüst für den Unterstufenchor auf der Bühne bilden. Das Bühnenbild (Mara Böttinger) thematisiert in fünf Bildern – davon eines das Ulmer Münster – die verschiedenen Lebensbereiche der Protagonistinnen. In dieses Bild passen die Unterstufenchoristen mit ihrer Kleidermischung aus Alt und Modern ganz wunderbar.

Die Zuschauer erleben rührende, ernsthafte und witzige Momenteaus dem Leben zweier Mädchen, die aus unterschiedlichen Zeiten stammen. Etwa, wenn Lea (Vivienne Kinn) ungläubig zur Kenntnis nimmt, dass die „Olgastraße“ nun „Adolf-Hitler-Ring“ heißt, sich die Mutter Magdalena Scholl (Heidi Schabel) über die ungewöhnliche Hose von Lea wundert oder beim gemeinsamen Mittagessen der Vater (Siah Rogoll) energisch das Hitlerbild mit den Worten „Weil’s mir den Appetit verdirbt, wenn der beim Essen zuguckt“, umdreht.

Dass in der Familie Scholl jeder seine Meinung frei äußern durfte, wird vor allem in den Dialogen zwischen den Geschwistern klar. Sophie (Alara Zirih), die als 14-Jährige noch Scharführerin in Wiblingen gewesen ist, rebelliert hier schon gegen die Regeln der Nazis, indem sie zum Beispiel die Rassenkunde bei ihren Jungmädels weglässt und stattdessen Lieder am Lagerfeuer singt. Dabei kollidiert sie mit ihrer gewissenhaften Schwester Inge (Helene Schwamm), die vom besonders linientreuen Mädchen Rosemarie (Vanessa Beuther) auf Sophies Verhalten aufmerksam gemacht wird. „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, wirft Inge ihr an den Kopf. Auf Verständnis stößt Sophie bei ihrem Bruder Hans (Laurin Michaelsen), der vom Nürnberger Parteitag zurückkehrend mit den Worten „ich würde alles für meine Jungs tun, aber nicht, weil ich nichts bin, sondern weil ich ich bin“ am System zu zweifeln beginnt.

Dass es oft Gänsehautmomente gibt, liegtauch an der sensiblen Interpretation des Chores, der das ganze Stück auswendig singt. In „Traue ihnen nicht“ verleiht die eindrucksvolle Choreographie (Regie: Dietmar Schmid) den Worten „Wenn sie nur noch Feinde sehen und die Freundschaft dran zerbricht, wenn marschiert wird statt zu gehen – traue ihnen nicht!“ eine ungewöhnliche Dramatik. Glockenhell und zart agieren die einzelnen Gesangssolisten (Lea Abele, Latisha Barlow, Isabella Bijelic, Raphael Henning, Elina Kiemel, Ellen Özgüner). Im Finalstück „Mutig sein!“  begeistert der Unterstufenchor mit dem leidenschaftlichen Appell „Man bleibt nur lebendig und bleibt nicht allein, wenn man so mutig ist, frei zu sein.“

Es ist ein Geschenk für alle, dieser Abend, der musikalisch erfüllt und durch seine Thematik auch zum Nachdenken anregt. Als Zuschauer kann man nur erahnen, wieviel Zeit und Kraft hier investiert wurde, um eine solch beeindruckende Leistung aus Musik, Schauspiel und Gesang auf die Bühne zu bringen. Verdient ist der große Applaus für alle Beteiligten des Scheffold-Gymnasiums!

(Christina Schubert)