Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Wenn die Turnhalle zur Opernbühne wird (Aktion 24 von 50)

Junge Oper Stuttgart zu Gast am Scheffold-Gymnasium

Alles spielt, alles turnt, alles ändert sich permanent – einem Perpetuum mobile ähnlich agieren die Figuren in der Oper „Les Enfants Terribles“ nach der Romanvorlage von Jean Cocteau und der Musik von Philipp Glass. Die Junge Oper im Nord (JOIN) gastierte in der Turnhalle des Scheffold-Gymnasiums – und hat sowohl räumlich als auch zeitlich einen Volltreffer gelandet.

Schulleiter Bernd Gockel nutzte die Aufführung als Startschuss, um mit einer kurzen Begrüßungsrede die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrenden auf das Schuljubiläum „50 Jahre Scheffold“ einzustimmen.

Die Junge Oper ließ in ihrem Stück statt Tänzern junge Turnerinnen und Turner auftreten, die gegenüber der handlungstragenden Welt der Geschwister Paul und Elisabeth eine ungerührte, mechanisch präzise Gegenwelt repräsentieren. Somit bildete die Schulturnhalle einen perfekten Rahmen für das puristisch anmutende Bühnenbild von Judith Adam: Im Hintergrund schwarze, an Wellblechpappe erinnernde Kulissen, rechts ein Barren, durch die Mitte schlängeln sich Turnmatten, auf der die Sportler in kobaltblauem Sportdress Räder schlagen, Handstände machen oder Saltos vollführen. In der Mitte ein weißer Turm, der aufgeschoben die Mauer oder Grenze zwischen Traum und Realität repräsentiert. Im Vordergrund, einem Schuhkarton ähnlich, das Zimmer der Geschwister, in dem sich große Gefühle abspielen.

Elisabeth und Paul leben in einer engen, fast symbiotischen Beziehung zusammen, die kaum ein Außen kennt. Laia Vallés als Elisabeth und Elliott Carlton Hines als Paul spielen dieses Geschwisterpaar mit großer Leidenschaft. Auf musikalisch höchstem Niveau singen sie sich durch die Geschichte von Liebe, Lüge und Verrat. So gibt es immer wieder einzelne Szenen, die besonders berühren: Zum Beispiel das Terzett der Geschwister mit ihrem treuen Freund Gérard (Philipp Nicklaus), der aus Liebe zu Elisabeth eine andere, Agathe, heiratet und eine Bandbreite an Gefühlen nicht nur schauspielerisch, sondern auch gesanglich spielerisch meistert. Oder als Agathe in Pauls Leben tritt und sie gemeinsam das Bild von Pauls früherem Geliebten Dargelos (gesanglich versiert und schauspielerisch auf hohem Niveau in einer Doppelrolle: Deborah Saffery) zerreißen. Dabei singen die jungen Sängerinnen und Sänger ihre Passagen mit Leichtigkeit und Anmut, sodass sich die Metapher des Spiels auch musikalisch wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht.

Statt eines Orchesters stehen drei Klaviere in der Turnhalle. Die junge Dirigentin Virginie Déjos setzt gekonnt Akzente in Philipp Glass Komposition. Ein Glücksfall sind die begabten Pianisten Yuri Aoki, Ugo Mahieux und Christopher Schumann, die durch ihr rhythmisch akzentuiertes Spiel der ganzen Oper eine eigene Dynamik verleihen und durch ihre Präsenz in der Turnhalle viel zu diesem ästhetischen Gesamtkunstwerk (Dramaturgie: Christoph Sökler, Regie: Corinna Tetzel, Licht: Rainer Eisenbraun) beitragen.

Insgesamt also ein ganz besonderes Erlebnis für die Scheffold-Schulgemeinschaft und ein äußerst gelungener Auftakt für weitere Aktionen zum 50-jährigen Schuljubiläum.