Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Prof. Dr. Fereidooni referiert über Rassismus (Aktion 23 von 50)

Welche Lieder habe ich als Kind gesungen? Welche Erfahrung mache ich, wenn beim Familiengeburtstag über Flüchtlinge oder Krieg gesprochen wird? Diese Fragen stellte Prof. Dr. Karim Fereidooni von der Uni Bonn am Montagabend zu Beginn seines Online-Vortrags seiner Zuhörerschaft, um sie aktivierend ans Thema “Rassismuskritik in Gesellschaft und Schule” heranzuführen. Eine Vorstellung von Alltagsrassismus entwickeln Menschen Untersuchungen zufolge bereits im zarten Kindesalter von drei oder vier Jahren. Deshalb sei es wichtig, zunächst in der eigenen Biografie zu forschen, inwiefern Rassismus, also eine Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft, eine Rolle im Leben spiel(t)e.

Meist sei Sprache sowie die Umgebung ursächlich für das Erlernen von rassismusrelevantem Wissen. Fereidooni ist es dabei wichtig, nicht zu verurteilen, sondern zu sensibilisieren. “Der Fokus heißt nicht: ‘Wie kann ich anderen helfen?’, sondern ‘Wie kann ich mir dabei helfen?'”, so Fereidooni auf den Umstand, wenn man mit Rassismus konfrontiert werde. Deutschland sei im Jahr 2022 zwar so sensibilisiert wie nie, was Rassismus angeht, zugleich sei “Rassismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen” – oftmals so subtil, dass man es selbst nicht einmal mehr merke. Und hier gelte es anzusetzen. Mithilfe von Interviews machte er deutlich, wie sich Rassismus in deutschen Klassen- und Lehrerzimmern äußere, da ein Neo- oder Kultur-Rassismus, der neben Sprache und Herkunft auch Kultur und Religion betreffe, inzwischen die “salonfähige Variante” sei.

Als Fazit des Vortrags, der in eine Fragerunde mit der Zuhörerschaft mündete, wurde klar, dass menschenverachtende Äußerungen und Vorfälle das Credo “Ich bin nicht neutral”, also eine klare Positionierung verlangen. Abschließend ging es um “Weißsein” und so stellte Fereidooni Thesen vor, die deutlich machen sollten, ob jemand von Rassismus direkt betroffen ist oder nicht: “Ich habe die Wahl mich mit Rassismus auseinanderzusetzen oder nicht.” Direkt Betroffene hätten diese Wahl nicht, so Fereidooni, weil sie wiederholt damit konfrontiert würden.

Der Vortrag ist Teil der 50 Aktionen “50 Jahre Scheffold-Gymnasium” und informierte vor allem Eltern und die Lehrerschaft auf dem Weg zur Bewerbung, Mitglied im Netzwerk “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” zu werden. Organisiert wurde die Aktion von Schulsozialarbeiterin Barbara Marques und dem Scheffold-Vertrauensteam. Die Abstimmung, Mitglied im Netzwerk zu werden, wurde inzwischen ausgewertet und das Votum der gesamten Schulgemeinschaft ist eindeutig: Mit 83% Ja-Stimmen (notwendig sind 70%) wurde das Votum, Mitglied im Netzwerk zu werden, mit deutlicher Mehrheit angenommen.