Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Kreatives Schreibprojekt “50 Jahre Scheffold” (Aktion 12 von 50)

Klassenstufe 10 erweckt Gegenstände aus dem Schulhaus literarisch zum Leben

Was wäre, wenn Gegenstände sprechen und ihre Gedanken äußern könnten? Dieser Frage ging unsere Klassenstufe 10 im Rahmen des Deutsch-Unterrichts nach und verbrachte eine Doppelstunde im Schulhaus, um nach 50 Jahren endlich mal Gegenstände und Lebewesen rund ums Scheffold-Gymnasium literarisch zum Leben zu erwecken. Im kreativen Schreibprozess suchte sich jeder einen Platz auf dem Schulgelände aus, verharrte dort – und beobachtete. Nun versuchten die 10er, den Scheffold-Alltag durch die Augen eines Dings oder Baums zu sehen. Diese Gedanken wurden niedergeschrieben und sollen die Leser unterhalten, erheitern und auch zum Nachdenken animieren. Viel Spaß und frohes Schmökern!

Mein Leben als Baum

50 Jahre bin ich nun alt. Tagein, tagaus laufen mehrere Menschen an mir vorbei. Manchmal läuft auch einer gegen mich. Für jeden dieser Menschen bin ich bedeutungslos. Ich stehe einfach nur in der Erde. Meine Wurzeln vertieft in der Erde. Sie geben mir Kraft und Energie. Sie halten mich im Sturm und versorgen mich mit Leben. Das Atmen durch meine Blätter fällt mir von Tag zu Tag schwerer. Je älter ich werde desto bedeutungsloser bin ich für diese Welt. Täglich, wenn die Sonne am Himmel steht und die Vögel zwitschern, laufen kleine Menschen zur Schule. Es ist interessant zu beobachten, wie sich Menschen verhalten. Eines Tages kam ein Mädchen zu mir. Sie saß eine ganze Weile vor mir und beobachtete mich. Sie fasste mich an und dann nahm sie wieder Platz. Zum ersten Mal in 50 Jahren spürte ich so etwas wie Anerkennung. Anerkennung dafür, dass ich hier stehe und wichtige Stoffe für den Menschen produziere. Damit meine ich nicht das Holz, aus dem dann ein Stuhl wird, sondern den Sauerstoff, den meine Blätter produzieren. Vor ein paar Jahren musste ich mit ansehen, wie die Menschen meine Freunde umbrachten. Sie kamen mit lauten Kettensägen und fällten meine Freunde. Ihre Äste knarzten. Ich wollte gar nicht hinhören. Es war schrecklich. Nachdem sie Ute, Willi und Hans umgebracht hatten, zerstückelten sie sie in winzige Teile, damit sie sie besser transportieren konnten. Weg waren sie für immer. Ich muss seitdem dieses leere Loch im Wald ertragen. Man spricht von Glück, dass ich überhaupt noch lebe. Menschen können grausam sein. Sie vernichten Dinge, die für sie überlebenswichtig sind. Mittlerweile ist es Winter. Es ist kalt geworden. Meine Blätter sind weg, doch ich hoffe, dass bald wieder neue wachsen. Das war nur ein kurzer Einblick in mein Leben. Vielleicht kann man uns Bäumen und generell der Natur mehr Aufmerksamkeit schenken und uns nicht alle zunichtemachen.

Ich, die Uhr

Ich, die Uhr. Rund bin ich, mit vielen Zahlen häng‘ ich an der Wand. Stunde um Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Ich hänge da in einem monströsen Raum mit vielen Tischen. Stunde um Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Jeden Morgen füllt sich der Raum mit neuen Gesichtern, dennoch sind sie doch alle gleich. Der Alte steht da vorne und hält seine Monologe. Stunde um Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Man sollte meinen, die Gesichter lauschen alle ganz gespannt, doch in Wirklichkeit bin ich so interessant. Die gelangweilten Gesichter starren an nur mich, was wohl an mir besonders ist? Jeden Tag dasselbe, Stunde um Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Ich mag vielleicht ein Gegenstand sein, doch in Wirklichkeit, nein, nein. Ich bin die Zeit, ich bin vergänglich. Jeder meint, er hätte ewig, aber so wird es nie sein und so ist es nie gewesen. Die Gesichter hoffen, dass die Zeit schnell vergeht, doch das, was vergeht, ist nicht nur der Monolog des Alten, sondern die Zeit auf Erden. Stunde um Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Deshalb hört mir zu, ihr fremden Gesichter: Seid nicht froh, wenn die Zeit vergeht, sondern betet, dass ihr noch länger auf Erden steht. Nutzt eure Zeit weise! Denn die Zeit, eure Zeit rieselt leise. Stunde für Stunde, Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Das Bild

Ich bin ein farbenfrohes, viereckiges Bild. Ich hänge im untersten Stock des SG. Allein. Ich wurde mit viel Mühe gemalt und anschließend mit ein paar anderen Bildern an den Wänden aufgehängt. Manchmal frage ich mich, wo die anderen Bilder hängen und warum genau ich ausgewählt wurde.

Jeden Tag laufen hunderte Schüler an mir vorbei. Mit leeren Händen auf mich zu und mit Büchern in der Hand wieder zurück. Wahrscheinlich gibt es da hinten Spinte. Vielleicht sogar Klassenzimmer, doch das werde ich leider nie erfahren, denn noch nie wurde ich umgehängt. Tag und Nacht hänge ich hier und beobachte die Entwicklungen der Schüler. Meistens ist es sehr langweilig, doch ab und zu mal, da laufen Schüler direkt auf mich zu. Jedes Mal bin ich aufgeregt, mich endlich zu präsentieren. Endlich werde ich bemerkt, denke ich. Doch immer wieder endet es in einer Riesenenttäuschung, denn entweder laufen sie an mir vorbei, setzen sich unter mich und essen oder legen sich auf die Liegen vor mir.

Doch warum bemerkt mich keiner? Ich habe sogar einen glänzenden Rahmen bekommen! Ich bin doch zum Anschauen geschaffen worden! Doch nun wirft keiner mehr einen Blick auf mich. Keiner bewundert meine Farben. Meine Geschichte. Oder meine Fassade. Wozu bin ich überhaupt da? Was ist meine Aufgabe und wozu wurde ich geschaffen? Keiner sieht mich. Ich fühle mich so einsam und vernachlässigt. Bin ich überhaupt etwas wert? Ist die Person, die mich erschaffen hat, noch auf der Schule?

So unglaublich viele Fragen. Doch ich werde nie eine Antwort bekommen, denn ich hänge hier tagaus, tagein, ohne einen Sinn oder eine Aufgabe zu haben. Ich bin gelangweilt und traurig. Ich habe aber auch Angst davor, wenn ich mal abgehängt werde. Was passiert danach? Verstaube ich in einem Nebenraum? Werde ich woanders aufgehängt? Oder werde ich zerstört? Naja, irgendwann werde ich es herausfinden und solange ich hier hänge, genieße ich den Anblick auf die heranwachsenden Kinder. Wie sie lachen oder weinen. Wie sie spielen oder streiten. Wie sie sich amüsieren oder langweilen. Ich schaue zu, wie sie interagieren und reden. Etwas, was ich nie machen kann. Wie gern ich ihr Leben doch hätte. Sie sind alle zusammen und beachten sich. Ich hingegen bin komplett allein.

Ariane Harms, 10a

Aus der Perspektive der Heizung links an der Treppe

Ich bin die Heizung, jeden Morgen sehe ich, wie alle Lehrer und Schüler, alle Menschen, die seit 50 Jahren ins Scheffold-Gymnasium gehen, hier durch das Foyer hereinkommen. An allen Schultagen sehe ich die mehr oder weniger motivierten Gesichter und spüre im Winter die Kälte und im Sommer die Wärme, die durch die Eingangstür ins Schulhaus strömt. So viele Schulfeste habe ich schon gesehen und so viel Freude und Traurigkeit in den Augen der Schüler. Ich bin ein Teil vom Leben aller hier, ob bewusst oder unbewusst werde ich jeden Tag wahrgenommen. Ich seh‘ sie, mit all ihren Emotionen und doch weiß ich nie genau, was gerade in ihrem Leben passiert oder schon passiert ist. Außerdem höre ich jeden Tag ihre Stimmen und die Klänge aus dem Musiksaal, wie gerade jetzt das Klaviergeklimper oder auch zuletzt, vor den Weihnachtsferien, das Weihnachtskonzert des Chors. Ich sehe die Kinder aufwachsen, von kleinen, wilden, aber manchmal auch schüchternen Fünftklässlern zu großen und manchmal immer noch lauten Zwölftklässlern. In den Ferien ist mir oft langweilig, dann kann ich nicht einmal heizen, was ja meine eigentliche Aufgabe ist.

Doch manchmal brauche ich die Ferien auch zur Erholung. Demgegenüber habe ich mich während der Coronazeit wirklich gefragt, was lost ist. Das hatte ich in meinem langen Leben nämlich noch nie erlebt, dass so lange keine Schüler in die Schule gekommen sind. Deshalb bin ich jetzt auch wirklich froh, dass durch den normalen Alltag wieder etwas mehr Abwechslung in mein langweiliges Heizungsleben gebracht wird. Das einzige, was ich noch wirklich vermisse, sind die Schulfeste. Die knisternde Aufregung, die ich davor im Raum verspürt habe, und dann die ausgelassene Freude, wenn alles klappt wie es soll. Dann ist es so laut, dass sogar ich hier die Stimmen aus dem Musiksaal vernehmen kann.

Außerdem freut es mich wieder zu sehen, wie die Fünftklässler panisch auf dem schwarzen Brett über mir nach den passenden Busverbindungen suchen, endlich ist wieder mehr Leben im Haus! 

Die Treppe

Ich könnte langweilig sein, eine Treppe im Scheffold, nicht beachtet und nur benutzt. Ich kann das ja auch verstehen, ich bin grau und nicht gerade interessant, hab schwarze Kanten und lauter Flecken. Die einen Flecken sind Steine, die ich in mir habe, die anderen kannst Du Dir denken, was sie sind: Manchmal, da haben meine Stufen auch Macken, doch im Moment haben sie gelbe Streifen, die mir jemand draufgebebbt hat, auch Pfeile sind dabei. Von den Schildern, die auf manchen meiner Stufen stehen, weiß ich, dass die Streifen zum Abgrenzen der Laufwege dienen. Wenn die das dieses Jahr nicht gesagt hätten, dann wäre ich da nicht draufgekommen! Hier laufen so viele nicht in den Spuren, aber die Richtung hat’s gebracht. Auf der einen Seite geht’s hoch, auf der anderen runter. Jetzt ist die Verletzungsgefahr, glaube ich, auch nicht so hoch. Letztes Jahr, da fiel ein Kind von mir und brach sich den Arm. Rückblickend bedaure ich, dass ich so fest verbaut bin, ich hätte gerne geholfen und gerettet. Doch wie auch immer, das geht halt nicht.

Du, der das liest, ich will vielleicht auch mal gerettet werden, vor den vielen Schuhen, die jeden Tag auf mich drauftrampeln. 50 Jahre lang schon und dann bekomme ich, das wichtigste Element der Schule, nicht mal eine Chance auf eine Erwähnung in der 50 Jahre-Scheffold-Feier – jedenfalls noch nicht, vielleicht sollte ich einstürzen, um meine Wichtigkeit zu demonstrieren. Mach ich aber nicht, denn sonst erlebe ich die nächsten 50 Jahre unter Umständen wahrscheinlich eher nicht. Jedenfalls befördere ich jeden Tag immer hunderte Kinder hoch und runter und doch sind fast alle so undankbar, jeder sagt, es sei schrecklich, mich hoch zu laufen, doch nein, ich brauche keinen Aufzug als Partner. Das wär ja mein Untergang!
Um nochmal auf das Thema trampelnder Schüler zurückzukommen, jeden Tag alle 45 Minuten diese Sohlen, man, du glaubst nicht, wie spitz diese feststeckenden Kieselsteinchen sein können und manche Schuhprofile – wollen die in die Schule oder wandern gehen?
Am liebsten ist mir deshalb der Sommer, da ist es angenehmer. Jeder hat dann diese schön gepolsterten Turnschuhe oder auch Sandalen, komplett ohne Profil an. Doch was sage ich – ich glaube nachts ist mir meine Existenz am liebsten, dann ist alles so schön ruhig, das ständige Tappen und Schlappen auf mir ist weg und ich habe die Möglichkeit mal auszuruhen.
Eine Sache möchte ich aber auf jeden Fall erwähnen: „Kinder, benutzt den Schuhabstreifer wenn ihr in Unriechbares getreten seid“ – ich habe keine Möglichkeit, nicht zu riechen. Auch hoffe ich, dass mich alle mehr schätzen, denn wer schlecht drauf ist, der trampelt auch schrecklich stark auf mir rum.
Oft, da würde ich auch gern ausweichen – ja wenn ich’s mir recht überlege, wäre ich gern eine Treppe in Hogwarts. Meine Stufen wären glücklicher, denn sie hätten die Möglichkeit, an manchen Tagen durchlässig zu sein und manchmal, da könnte ich mich verschieben, um den vielen Schülern aus dem Weg zu gehen. Denn ob du’s glaubst oder nicht, wenn eine Klasse mit sehr vielen Büchern kommt, dann ist das unerträglich schwer – denn jeder hat ja dann mind. 3 Bücher dabei und das mal 30 – da würdest du auch abhauen.
Also, ich finde, die Schule sollte etwas gegen schwere Schulranzen tun und wenn die dann schon am Verändern sind, könnten sie auch schöne Filzpantoffeln anschaffen. Ja, das wäre angenehm! Jeden Morgen von hunderten Paaren von Filzlatschen getätschelt, gestreichelt und massiert werden – unglaublich, das wäre schön. Somit wäre ich auch sauberer – und edler.
Vielleicht gibt’s ja auch mal nen Tag, an dem ich eine rote Decke bekomme, um noch wichtiger zu erscheinen – einen samtenen Teppich, das wäre auch schön, oder leuchtenden Schmuck – naja, ich hätte auf jeden Fall tausend Verbesserungsideen. Doch leider werden die wohl nie wahr, ich meine, wer hört denn auch auf eine Treppe? Und überhaupt, was sich in 50 Jahren nicht ändert, das – halt wir denken noch nicht so weit, ja, die Zukunft, in der jeder schwebt, die wird angenehm!

Jedoch wünsch ich mir kein Homeschooling mehr, denn allein nur mit meinen Stufen ist es langweilig. Ich brauche die Schüler und die mich. Ja, die Schüler und auch die Lehrer – wenn die auf mir laufen, da sehe ich immer die verschiedensten Klamotten, Schuhe, Schulranzen und so weiter. Manche haben immer wieder dasselbe an, manche haben regelrecht Outfits und wieder andere haben oft die verschiedensten Sachen an – woher die wohl kommen? Aber ich bin halt ‘ne Schultreppe und keine Treppe im Kaufhaus. Trotzdem, aber mindestens genauso informiert – ich bin ja nicht taub, ich hör’, was du alles so erzählst! Ts Ts Ts. Aber ich wahre meine Geheimnisse gut, keine Sorge. Sonst bekomme ich auch immer die neuesten Trends mit, da kann ich natürlich nicht mithalten… Oder hast du schon mal eine Treppe in Kapuzenpulli gesehn? Wahrscheinlich nicht, aber den brauch ich eigentlich auch nicht, denn ich bin wichtig und riesig und sehr, sehr groß. Ich glaube, ich bin brauchbar und darauf und auf alle meine mindestens 500 Stufen sehr, sehr stolz.
Alba Marzell, 10a

Die Treppe im Schulhaus

Ich bin die Treppe im Schulhaus des Scheffold-Gymnasiums. Um es knapp zu beschreiben, jeden Tag laufen viele Leute auf mir herum, beleidigen mich oder überspringen mich auch. Der Grund, dass ich oft beleidigt werde, ist der, dass es ja manchmal anstrengend sei, auf mir zu laufen und somit hegen die meisten Schüler einen überaus großen Hass auf mich. Viel kann ich dafür ja nich, trotzdem höre ich Sätze wie „Diese scheiß Treppen“ oder „Stirb, Treppe!“ sehr oft. Somit, würde ich sagen, bin ich das meist gehasste Objekt dieser Schule. Jeder, der auf diese Schule geht, oder sie auch mal nur besucht hat, hat mich schon berührt oder auch nur gesehen. Ich sehe aber auch alles, was passiert, denn ich liege über vielem Geschehenden. Es gibt aber auch Tage, manchmal sind es sogar Wochen, in denen mich niemand betritt oder auch nur ansieht. Das kommt aber nur ein paar Mal im Jahr vor. 2020 hat man dann angefangen, mich mit gelben Streifen zu bekleben angesichts der Tatsache, dass es einen Virus gab, wegen dem man, durch die Streifen, Abstand bewahren muss. Dennoch halten sich immer wieder welche nicht an diese Regelung und somit werde ich dafür auch öfters mal gemobbt.

Obwohl mich viele hassen, würde ich mich als äußerst nützlich einordnen, denn ohne mich wäre der Bau des Scheffolds wohl kaum möglich gewesen.

Das rotes Abstandsschild

Seit Corona steh ich auf den Gängen rum, da frag ich mich schon, warum? Mich beachtet eh keiner. Wenn ich dann mal mitten auf der Treppe stehe und grad mein Leben genieße, klingelt mein Wecker – die Schulglocke – und dann folgen die 5 Minuten Angst in meinem Leben: Ich weiß, dass nun die Schülerhorden kommen, alle rennen und schubsen sich und nehmen keine Rücksicht auf mich. Viele bleiben an mir hängen oder rennen mich einfachum, dann muss ich warten, bis mich ein netter Lehrer oder eine nette Lehrerin wieder hinstellt.

Ich bekomme viele Gespräche von den Schülern mit, da merke ich oft, wie viele unterschiedliche Interessensgruppen es gibt. Die einen reden über ihren neuen Crush oder den Ex, andere übers Zocken und die vielen KAs in der Schule.

Was ich manchmal traurig finde, ist, dass ich zu einem guten Zweck diene – Abstand halten, Leute! -, aber es niemanden interessiert. Mein Alltag ist eigentlich ziemlich spannend, außer am Wochenende, da kommt niemand. Dann kann ich mich entspannen, wenn keine lauten Kinder rumrennen.

Nach der Corona-Pandemie komme ich wahrscheinlich wieder weg, aber solange genieße ich noch meine Zeit hier. Gerade jetzt höre ich zu, wie drei Schülerinnen an irgendetwas schreiben. Geht es vielleicht um mich? Das wäre ja mal toll!

Ich sehe grad, dass ein Kaugummi an meinen „Fuß“ klebt. Das ist nicht sehr appetitlich und dafühle ich mich auch ein bisschen meiner Ehre beraubt. Aua! Jetzt hat so ein blondgelocktes Mädchen michmit einem Stift abgeworfen. Das tut weh! So dumme Kinder!

Clara Häussler, 10b

Die Türklinke

Ich bin eine Türklinke. Ich werde meistens verwendet, um eine Tür zu öffnen oder zu schließen. Aber oft werde ich auch einfach ignoriert und die Tür schlägt mit einem lauten Knall zu. Am liebsten würde ich den SchülerInnen und LehrerInnen hinterherschreien: „Was soll das? Dinge haben auch Gefühle!!” Denn jedes Mal bekomme ich einen riesigen Schock und es ist unfassbar laut. Doch mir kann man es auch nicht recht machen. Mehrere hundert verschiedene Hände berühren mich täglich, zumindest unter der Woche. Viele Bakterien und andere Keime landen unabsichtlich auf mir. Die Vorstellung ist schon sehr eklig. Was würde eigentlich passieren, wenn ich mich mit dem Corona-Virus infiziere? Was für Symptome würden bei mir auftreten? Oder kann ich mich gar nicht anstecken?

Meine Freunde hatten es bis jetzt auch nicht bekommen. Ich würde mir wünschen, dass mich öfters jemand putzt und desinfiziert. So würde ich mich auch besser fühlen. Manchmal ziehen SchülerInnen und LehrerInnen sehr merkwürdig ihren Pullover über ihre Hand, bevor sie mich berühren. Das finde ich sehr aufmerksam und diese Menschen sind mir direkt sympathisch. Hat das etwas mit dem umgehenden Virus zu tun? Leider kann mir diese Frage niemand beantworten, denn niemand hört und versteht mich. Woran das wohl liegen könnte?

Dennoch ist meine Funktion gemeinsam mit dem riesigen Holzbrett, das an mir angebracht ist, nicht ganz unrelevant. Wer will schon auf dem Flur das Geschrei der Klassen hören? Für ein paar meiner Freunde muss das bestimmt schrecklich sein. In den Pausen bekomme ich das leider auch mit, aber glücklicherweise nur für höchstens zehn Minuten, keine komplette Unterrichtsstunde. Vor allem das Lästern über Lehrer ist amüsant zu hören. Zu gerne würde ich wissen, ob die LehrerInnen davon mitbekommen, was über sie erzählt und gedacht wird. Und das witzige Verhalten der Schüler wird manchmal von den LehrerInnen auch zu streng genommen. Die Schule soll doch ein Ort sein, wo die jungen und älteren Menschen gerne hingehen. So sollen doch die LehrerInnen auch ein bisschen gnädig sein und nicht ständig herumschreien!

Zudem sehe ich täglich verschiedene Arten von Kleidung, verschiedene Muster, Farben und Formen. Das finde ich sehr interessant. Dagegen bin ich schon sehr langweilig und eintönig gestaltet. Einfach nur Silber. Kein besonderes Muster, keine außergewöhnliche Form oder Ähnliches. Warum kann ich mir das eigentlich nicht selbst aussuchen, so wie SchülerInnen sich nach ihren Wünschen kleiden dürfen? Doch diese Freiheit wird ihnen manchmal auch zum Verhängnis. Wie kann man nur Pink und Orange miteinander kombinieren? Oder bauchfreie Kleidung in der Schule? Das habe ich von vorigen Zeiten noch anders in Erinnerung.

Große Freude macht es mir auch, SchülerInnen zu beobachten, wie sie ganz unmotiviert in ihre Klassenräume verschwinden. Auf einem Stuhl zu sitzen und einfach nur dem Lehrer zuhören, muss bestimmt langweilig sein. Zum Glück muss ich das nicht tun. Witzig ist es auch, wenn SchülerInnen ganz verwirrt und aufgebracht ihren Raum suchen, ihn aber einfach nicht finden. Manchmal würde ich den jungen, verzweifelten SchülerInnen gerne weiterhelfen, aber leider kann ich das ja nicht.

Im Alltagsgeschehen stehe ich eher außerhalb und werde nicht so stark beachtet, da ich kein besonderer Gegenstand bin. Das macht mich manchmal ziemlich traurig. Ich würde auch gerne mal im Mittelpunkt stehen und besonders wirken. Doch habe ich überhaupt etwasbesonderes an mir? Ich denke nicht. Dennoch glaube ich, dass ich und meine Nachfolger noch lange bestehen bleiben und nicht aussterben. Das hoffe ich zumindest!

Sarah Wittmann, 10a

Die Eingangstüre

Ich bestehe aus rotem Metall, habe einen gebürsteten Edelstahlgriff und eine große Glasfläche in meiner Mitte. Ich bin stark, schön und stolz. Trotzdem beachten mich die Schülerinnen und Schüler, die tagaus, tagein durch mich hindurchlaufen, kaum. Ich finde es allerdings immer interessant, wie diese Menschen gekleidet sind und was sie miteinander besprechen. Einige beschweren sich nicht nur über Lehrer, sondern auch über mein hohes Gewicht oder meinen schwerfälligen Öffnungsmechanismus. Meine Güte! Ich würde mir sehr wünschen, dass mich die Schüler nicht so sehr auf- und zuknallen. Ich bin schließlich wer!

Ich sehe die meiste Zeit des Tages den staubigen Boden des Foyers und den Fußabtreter. Das ist für jemanden wie mich manchmal auch etwas langweilig. In den Ferien und am Wochenende habe ich meisten meine Ruhe.

Manche Menschen berühren mich zur  Zeit nur ungern, da es so ein blödes Virus namens Corona gibt und sie es nicht bekommen wollen. Als ob ich etwas dafür könnte! Für die Zukunft wünsche ich mir durchaus ein bisschen mehr Beachtung. Gehört sich einfach für eine Eingangstüre!

Michael Schurr, 10a

Die Stelltafel

Seit einigen Jahren stehe ich hier doof im Foyer herum und werde manchmal durch das Treppenhaus in anderes Zimmer gestellt. Wenn ich Glück habe, kann ich dann wenigstens mal für kurze Zeit etwas sehen. Sonst ist meine Sicht permanent von so Zetteln verdeckt, die mit spitzen Nadeln in meine Haut gedrückt werden. Meistens macht das ein Lehrer oder eine Lehrerin, dann piekst es nur kurz, nach kurzer Zeit geht es wieder halbwegs.

Ich weiß nur, dass ich so graue Füße und Beine aus Metall habe und ich ein großes Holzbrett mit einem Filzbezug bin. Was soll man dazu sagen? Ich hasse es, wenn freche Kinder ankommen und ohne Grund die Nadeln aus mir ziehen und sie gewalttätig – gefühlt mehr als tausend Mal – wieder in mich rammen. Das tut mir immer ziemlich weh, zudem schlagen die dann auch manchmal mit ihren Händen auf mich ein, ich kann nicht verstehen, warum. Ich habe den Kindern nie etwas getan, stehe einfach nur da. Ob sie meine Zettel langweilig finden? Das Gute daran ist: wenn die Kinder beim Nadelherausziehen die Blätter, die an mir hängen, fallen lassen, dann kann ich endlich wieder etwas sehen. Schüler und Schülerinnen, die an mir vorbeilaufen, zum Beispiel gegen 10 Uhr, sind sie besonders fröhlich. Oft gehen sie zu unserem Hausmeister, der mich immer gut behandelt und sich um mich kümmert. Sie bekommen von ihm Bälle zum Spielen. Wenn ich Pech habe, schießen sie mir den Ball mitten auf meine Fläche. Ich bin sogar einmal umgefallen! Gefühlte 5 Monate hat das gedauert, bis ich endlich wieder aufgestellt wurde! Dabei würde ich mich so gerne einmal fortbewegen wie die Kinder und mal raus in die Sonne. Ich würde so gerne Fußball spielen oder im Schnee den Hang runterrutschen.

Ich hoffe so sehr, dass ich mal für lange Zeit in ein Klassenzimmer gestellt werde. Ich möchte mal im Unterricht zuschauen und wenn das Thema interessant ist, auch selbst etwas mitlernen. Naja, was soll`s, jetzt stehe ich eben hier und kann nichts daran ändern. Ich versuche einfach, meine Zeit, so gut es geht, zu genießen.

Lorenz Schwägler, 10a