Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Abracupdabra – Praktisches Üben für die Arbeitswelt

Auf einer Tasse mit aromatischem Kaffee oder heißem Tee brandet plötzlich das Logo der Freundin, der eigenen Kinder oder des geliebten Haushunds auf. Die Juniorfirma „Abracupdbra“ des Scheffold-Gymnasiums macht es möglich, dass man das warme Getränk nun mit einem persönlichen Wunschmotiv versehen genießen kann. Auf dem Weg zur selbst konzipierten Tasse, bis sie in den Handel kommt, können die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe viel praktische Erfahrung für die Berufswelt sammeln, in die sie in knapp einem Jahr nach dem Abitur entsendet werden. Einig sind ich alle Beteiligten in dem Punkt, dass eine Juniorfirma an Schulen dazu dient, praktische Erfahrungen zu sammeln, die sich vom teils sehr theoretischen Unterrichtsgeschehen abheben und auf die Welt außerhalb des schützenden Schulgebäudes vorbereiten. 

Stellt man nach knapp einem Schuljahr die Frage, weshalb künftige Oberstufenschüler am landesweiten Projekt teilnehmen sollen, ist schnell klar, worauf es hinausläuft: Persönlichkeitsentwicklung wird am eigenen Produkt erlebbar. „Man lernt im Team zu arbeiten. Dabei bin ich selbstständiger und kritikfähiger geworden, habe inzwischen auch mehr Geduld mit Mitschülern“, antwortet Samuel, zuständig für Vermarktung. Selatin, der Vorstand von Abracupdabra, schätzt den persönlichen Gewinn für sich so ein, dass man sich wie in einem echten Unternehmen um Lohn und Steuern seiner Arbeitnehmer kümmern müsse und lerne, die Firma nach außen hin zu repräsentieren.

Kreativität spielt auch eine große Rolle, wenn man von einer Idee zum fertigen Produkt kommen möchte. Vanessa schlug vor Gründung der Firma eine Tasse mit dem Motiv der Remstal-Gartenschau vor. Aus dieser Vision heraus entwickelte sich dann der Gedanke, das Logo individuell für den Kunden gestaltbar zu machen. „Man lernt nicht nur für die Schule, man kommt aus sich heraus und erkennt, was einem liegt. Ich werde später nicht in die Produktion gehen, sondern würde gerne als Gestalter tätig werden, z.B. in Sachen Logos, Produktverpackung oder Vermarktung“, fasst Lorena, zuständig für Produktion und Gestaltung, ihre Erfahrung zusammen.

Tauchen Probleme auf, müssen diese behoben bzw. Lösungen gefunden werden – so auch bei Abracupdabra. Im Firmenverlauf funktionierte der Prototyp zunächst nicht, später gingen die ersten Tassen bei der Produktion zu Bruch und das Budget schrumpfte dahin. Doch die Schülerschaft verstand es, die Fehler zu beheben.  „Durch die Juniorfirma wurde für mich ein richtiger Bezug zur Realität hergestellt und man kann auch mal hinter die Kulissen einer Firma schauen“, schwärmt Alina bezüglich dieser Erfahrungen.

Generell legt eine Juniorfirma oftmals den Grundstein für eine zukunftsweisende Berufswahl. Sina, die mitverantwortlich für die Finanzen ist, kann sich ebenfalls gut vorstellen, nach dem Abitur einen beruflichen Weg in diese Richtung einzuschlagen: „Ich habe mein Interesse für Finanzen etc. entdeckt, sodass ich mich nach der Schule eventuell auf dem Finanzamt bewerbe oder was in diese Richtung machen möchte.“ 

Tatsächlich überlegen sich über 60% der Teilnehmenden, ein Studium oder einen Beruf zu wählen, dessen Bereich sie in der Juniorfirma bereits abgedeckt haben. Wer sich erst ausprobieren möchte, ob ein Zuständigkeitsbereich etwas für eine künftige Tätigkeit wäre, ist hier also ebenso richtig. Pascal kam so z.B. zur Erkenntnis, was er nicht machen möchte, obwohl er sich im Vorfeld für Kalkulationen interessiert hatte. Federführend für die Buchführung zuständig, reflektiert er: „Nach einiger Erfahrung hat mein Interesse in diesem Bereich stark nachgelassen und ich kann mir nicht vorstellen, dies im späteren Beruf zu machen. Das ist mir alles zu trocken. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig für mich.“

Bis zum Abitur genießen die jungen Firmengründer weiterhin warme Getränke aus ihren Tassen und geben mit einem Augenzwinkern zu, dass die Teilnahme an der Juniorfirma noch einen weiteren pragmatischen Vorteil habe, einem Stück Theorie zu entgehen: „Man kann die mündliche Prüfung im Abitur umgehen, weil diese durch die Juniorfirma abgedeckt wird“, so Annika mit einem wissenden Grinsen.