Scheffold-Gymnasium

Schwäbisch Gmünd

Klick der Woche: Zur Robert-Domes-Lesung „Nebel im August“

von Niklas Weber (9c)

Gemeinsam mit dem Parler-Gymnasium besuchten die neunten Klassen unseres Scheffold-Gymnasiums eine Veranstaltung des Autors Robert Domes, der eine Lesung zu seinem verfilmten Roman „Nebel im August“ präsentierte und darüber sprach. Domes ist freischaffender Journalist. Über seinen Professor, der ihn darum bat ein Buch darüber zu verfassen, kam er in Kontakt mit der Lebensgeschichte Ernst Lossas. Insgesamt sechs Jahre hatte er an dem Werk gearbeitet. Für die Recherchen zum Buch nahm Domes Kontakt zu den beiden überlebenden Schwestern von Ernst Lossa, Anna und Amelie, auf. Für die Verfilmung musste Domes sämtliche Mitspracherechte abgeben.

Der Roman thematisiert das komplette Leben von Ernst Lossa, während der Film das Leben und den Tod im Heim beschreibt. Ernst Lossa würde im November 90 Jahre alt werden. Die Eltern gehörten zu dem Jenischen, einem fahrenden Volk, die immer noch existieren. Seine Mutter kam aus Baden-Württemberg, der Vater aus Bayern. Sie heirateten, als sie 18 und 23 Jahre alt waren, waren bettelarm und bekamen im Abstand von jeweils einem Jahr insgesamt vier Kinder. Die Familie wurde gleich zu Beginn der Nazi-Verfolgung ins Visier genommen, weshalb sie es gewohnt war verfolgt zu werden, z.B. im Rahmen sog. „Bettelrazzien“, bei denen u.a. Prostituierte, Bettler und politische Gegner verhaftet wurden. Die Eltern wurden später ins KZ gesteckt und die Kinder im Heim untergebracht. Ernst Lossa wurde im Zuge dessen kriminell, stahl und log. Zeitzeugen bestätigen, dass Lossa bei jedem Unsinn mit dabei gewesen sei. Daraufhin wurde Lossa in ein Umerziehungslager in der Nähe von Dachau gebracht, doch eine Verhaltensänderung sei nicht erkennbar gewesen. Eine Gutachterin, die ihn immer wieder aufsuchte, riet deshalb zu „Selektion“. Sie vermerkte in ihren Akten nur Negatives über Lossa und stempelte ihn als Psychopathen ab. So wurde er in ein anderes Heim verlegt, eine Anstalt für psychisch Kranke. Dort wurden im die Haare geschoren und er wurde stationär behandelt. Ärzte bescheinigten keine körperlichen und seelischen Gebrechen, woraufhin er nach Kaufbeuren verlegt wurde. An dieser Stelle wurde er in der Nacht zu seinem 15. Geburtstag mittels zweier Morphiumspritzen ermordet, wobei bereits eine den Tod herbeigeführt hätte. Dies war zu jener Zeit gängige Praxis, weil zuvor Grafeneck geschlossen worden ist, da die Bevölkerung hellhörig und misstrauisch geworden war. Deshalb wurde das Morden in Fachanstalten verlagert, wo durch Überdosen von Medikamenten oder sog. „Entzugskost“ (der Nahrung wurden durch mehrstündiges Kochen sämtliche Nährstoffe entzogen) der Tod der Menschen herbeigeführt wurde. Im Roman wird deshalb nicht in der Ich-Form erzählt, sondern aus einer Perspektive, die sich auf Augenhöhe mit Ernst Lossa befindet, was gewährleistete, dass nicht nur Lossas Freizeitaktivitäten auf den Fluren geschildert werden, sondern auch die protokollierten Aspekte zu erfahren sind.

In der Szene aus dem Roman, die vorgelesen wurde, geht es um den Streit zwischen den Eltern Ernst Lossas, die sich darüber unterhalten, ob sie jetzt Zigeuner, Jenische, Alkoholsüchtige oder ganz normale Leute seien. Am Ende beruhigen sie sich wieder und setzen ihre Reise fort. In der zweiten Szene wird den Lossas von der Jugendfürsorge Besuch erstattet, und alle Kinder, selbst der neugeborene Christo sollen weggenommen werden, doch die kranke, arme Mutter weigert sich, weil ihre Kinder in verschiedene Heime gesteckt werden sollen. Doch schließlich geht die Mutter auf den Vorschlag ein und die beiden Jugendversorger nehmen alle, bis auf Ernst, mit ins Auto und fahren hinfort. Ernst ist traurig und nimmt alles schrecklich wahr. Beim Abschied ruft Ernst seiner Mutter „nur ein paar Tage“ hinterher und sie ruft zurück: „Versprochen!“ Dann kommt Ernst Lossa in ein Heim.